ARBEITSPLATZ

Das WSBI-ESBG mit Sitz in Brüssel ist ein
internationaler Bankenverband, der mehrere
tausend Spar- und Retailbanken über nationale
Verbände und Institute vertritt. Ein besonderer
Fokus liegt dabei auf kleineren und mittleren
Kreditinstituten, die in vielen Ländern eine wichtige
Rolle bei der Finanzierung von Privatkunden und
mittelständischen Unternehmen spielen. Neben der
klassischen Interessenvertretung gegenüber
europäischen und internationalen Institutionen
koordiniert der Verband die fachliche
Zusammenarbeit seiner Mitglieder, organisiert
Konferenzen und Arbeitsgruppen und erarbeitet
gemeinsame Positionen zu aktuellen
bankaufsichtlichen und regulatorischen Themen.
Mein Arbeitsplatz befand sich im Brüsseler Büro in unmittelbarer Nähe zu den
europäischen Institutionen. Ich war mehreren Bereichen zugeordnet und hatte dort einen
eigenen Schreibtisch mit meinem persönlichen Laptop. Von dort aus konnte ich die
tägliche Arbeit des Teams direkt mitverfolgen, etwa die Vorbereitung von Stellungnahmen,
die Planung von Veranstaltungen und den Austausch mit Mitgliedsbanken. Aufgrund der
internationalen Ausrichtung des Verbands war Englisch die wichtigste Arbeitssprache im
Büro, viele Besprechungen und E-Mails fanden jedoch auch im Kontakt mit Mitgliedern
aus unterschiedlichen Ländern in deren jeweiligen Landessprachen statt. Aufgrund des
lokalen Bezugs habe ich aber ebenfalls den Kontakt auf Niederländisch, Flämisch,
Französisch und Deutsch vernommen.
Das Brüsseler Büro
Zu den Mitgliedern von WSBI-ESBG gehören sowohl kleinere regionale Institute als auch
große europäische Banken, beispielsweise der Deutsche Sparkassen- und Giroverband e.
V. oder die Frankfurter Bankgesellschaft AG. Insgesamt vertritt der Verband mehrere
tausend Spar- und Retailbanken, die zusammen einen großen Teil der Privatkunden in
Europa betreuen. Aufgrund dieser breit gefächerten Mitgliederbasis beschäftigt sich WSBI
ESBG im Alltag mit sehr unterschiedlichen Fragestellungen – von der Regulierung kleiner
Sparkassen bis hin zu Themen, die global agierende Großbanken betreffen.

STIPENDIUMSORT

Im Rahmen des Stipendiums durchlief ich
mehrere Abteilungen. In der ersten Woche
arbeitete ich mit Anmol und der
Abteilungsleiterin Elena im International
Advocacy and Institutional Relations Department
(WSBI), kurz IRR. Diese Abteilung gilt als der
internationale Sektor des Verbands und vertritt
die Interessen einzelner Kontinente und
Regionen.
Mein Aufgabenbereich lag hier in der Erstellung
eines Überblicks über potenzielle zukünftige
Mitgliedsbanken. Das heißt, ich sollte ebendiese
Banken analysieren, die zu den regionalen und
nachhaltigen Ansprüchen des Verbands passen,
Die potentielle Partnerbank in Thailand
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und die Ergebnisse anschließend in einer Präsentation zusammenfassen.
In der zweiten und dritten Woche beschäftigte ich mich mit dem Projekt „Scale2Save“.
Dieses regionale Projekt unterstützt in Zusammenarbeit mit großen Partnern wie zuletzt
der VISA Foundation lokale NGOs bei der Umsetzung einzelner Projekte. Hierbei tritt der
WSBI primär als Mittler zwischen den einzelnen Parteien auf, in diesem Fall zwischen der
Europäischen Union, die eine Ausschreibung für finanzielle Mittel zur Verbesserung der
Ernährungssituation in Äthiopien startete, und potenziellen Umsetzern vor Ort.
Des Weiteren soll das Portfolio von Scale2Save um Organisationen in Vietnam ergänzt
werden. Dafür habe ich nach passenden Partnern gesucht, die ebenfalls regional
orientiert, frauengeführt und agrartechnisch aufgestellt sind. Anschließend habe ich eine
designtechnisch passende und kohärente Broschüre erstellt, die im Scale2Save-Team
weitergenutzt werden kann. Durch meine Expertise im Bereich Digital Design konnte ich
außerdem mit einer Vorlage für Präsentationen helfen, zukünftig Inhalte schneller
vorstellen zu können.
Der Wechsel des Departments ergab sich in der
letzten Woche spontan, da ein Arbeitskollege des
Kommunikationsteams ausgefallen ist. In einem
Gespräch habe ich erläutert, dass ich noch ein
wichtiges schulisches Videoprojekt offen habe, ich
aber sehr gerne filme und Videos bearbeite. Agnes
aus dem Communications Department sah dies als
große Stärke, um den Ausfall des Arbeitskollegen zu
kompensieren. Agnes und ich haben uns nach einer
Brainstorming-Phase dazu entschlossen, das Video
über einen Quartalsbericht mit dem CEO Peter Simon
am EU-Kommissionsgebäude zu filmen. Bereits in der
ersten Woche konnte ich mich mit Herrn Simon austauschen, unter anderem über seine
Heimatstadt Mannheim und die vielen Attraktionen in Brüssel.
Drehtag mit CEO Peter Simon
Am Drehtag machte ich mich also erneut mit dem professionellen Kameraequipment
vertraut und konnte anschließend das Video mit dem CEO drehen.
Zuletzt war es meine Aufgabe, das Video zu schneiden und zu bearbeiten sowie die
Kamera- und Handyaufnahmen zu synchronisieren. Kurz nach meiner Abreise wurde es
auf den Internetkanälen von WSBI-ESBG
hochgeladen.
Negativ anzumerken ist die Distanz der
Unterkunft zum Büro. Insbesondere bei
höheren Temperaturen waren die kurzen
flämischen Busse überfüllt und die 30
minütige Fahrt war nach einem langen
Arbeitstag sehr unbefriedigend.
Die Unterkunft selbst hatte allerdings einen
sehr angenehmen, weitläufigen Garten, in
dem man sehr gut entspannen konnte. Die
Wohnung war ausreichend groß, um die
Abende sinnvoll und angenehm zu verbringen
und auch mal etwas Abstand voneinander zu
gewinnen.

PERSÖNLICHE EINSCHÄTZUNG
Rückblickend hat mir das Praktikum beim
internationalen Bankenverband WSBI-ESBG
einen sehr konkreten Einblick in die
Arbeitsweise eines europäischen Verbandes
gegeben. Besonders wertvoll war für mich,
dass ich nicht nur theoretisch über Regulierung
und Interessenvertretung gelesen, sondern
diese Prozesse im Alltag miterlebt habe.
Fachlich habe ich mein Verständnis für den
Bankensektor und europäische Regulierung
deutlich vertieft. Gleichzeitig konnte ich meine
Englischkenntnisse im Arbeitskontext
verbessern, da ein Großteil der
Kommunikation im Büro sowie mit
Mitgliedsbanken auf Englisch stattfand.
St. Peters Abtei in Gent
Darüber hinaus hat das Praktikum meine Vorstellungen von möglichen späteren Studien-
und Berufswegen geschärft. Auch meine Eigenorganisation und meine Offenheit, mich
gegenüber Anderen zu bewegen und zu verhalten, hat sich somit stark verbessert.
Insgesamt bewerte ich das Alfried Krupp-Schülerstipendium als große Chance. Ohne die
finanzielle und organisatorische Unterstützung wäre ein mehrwöchiges Praktikum im
Ausland in dieser Form für mich kaum realisierbar gewesen. Das Stipendium hat mir nicht
nur wertvolle Einblicke in die Arbeitswelt ermöglicht, sondern auch meine Selbstständigkeit
und mein Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gestärkt.

Moritz Pasdika , 17, Schüler des Helmholtz-Gymnasium Essen